Entwicklungsbegleitung und -beratung

Spätestens wenn es auf die Einschulung zugeht, aber auch, wenn Verhaltensprobleme auftauchen oder der Schulwechsel zur weiterführenden Schule ansteht, tauchen viele Fragen in Bezug auf die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen auf:

  • • Ist (m)ein Kind „normal“ entwickelt?
  • • Welche Fähigkeiten sind beim Eintritt in die Grundschule/ weiterführende Schule bedeutsam und nötig?
  • • Wie können diese Fähigkeiten erfasst und beurteilt werden?
  • • Wie kann ein Kind so gefördert werden, dass Entwicklungsauffälligkeiten bewältigt werden?
  • • …

So werden zu diesen Zeitpunkten bei vielen Kindern auch „Auffälligkeiten“ festgestellt/ diagnostiziert (z.B. bei den Schuleingangsuntersuchungen).
Häufig werden diese „Auffälligkeiten“ oder „Störungen“ im Bereich der Entwicklung angesiedelt oder als Entwicklungsstörungen bezeichnet.
Diese „Entwicklungsstörungen“ betreffen in der Regel

  • • die Wahrnehmungsfähigkeit,
  • • die motorische Entwicklung,
  • • die Gedächtnisleistungen bzw. kognitiven Fähigkeiten,
  • • die laut- und/oder schriftsprachliche Entwicklung
  • • die mathematische Entwicklung
  • • und/oder die sozial-emotionalen/ personalen Entwicklung bzw. Kompetenzen eines Kindes oder Jugendlichen.

Immer mehr Kindern fehlen die entscheidenden basalen Erfahrungen, um später in Schule und Beruf problemlos zu Recht zu kommen.
Diese Aussage bestätigt der Praxisalltag. Im Rahmen von Befunderhebungen lern- und sprachauffälliger Kinder und Jugendlicher zeigt sich, dass ihnen Basisqualifikationen bzw. Schlüsselkompetenzen fehlen.
Die Praxis zeigt, dass insbesondere Lernauffälligkeiten erst spät erkannt werden, nämlich genau dann, wenn die Kinder in der Schule schlechte Leistungen zeigen. Es wird erst von fehlenden Lernkompetenzen berichtet, wenn sie auftreten.
Hierbei handelt es sich häufig nicht um einen isolierten Entwicklungsbereich, sondern um Probleme beim Lernen, also beim Wissenserwerb generell. Kinder stehen völlig hilflos vor Aufgabenstellungen und wissen nicht, wie sie anfangen sollen. Sollen sie zuhause lernen, haben sie keine Idee, wie sie das machen sollen.
Fragt man Lehrkräfte, beklagen sich diese zunehmend, dass Kinder nicht mehr zum selbständigen Lernen in der Lage sind. Es wird darüber geklagt, dass Kinder häufig nicht wissen, was sie tun sollen, nicht in Handlung kommen und keine Kontrollfähigkeiten besitzen.

Um hier Klarheit zu schaffen und die Fragen zu beantworten, kommt eine Entwicklungsdiagnostik in Betracht:

Wozu dient die Entwicklungsdiagnostik und- begleitung:

  • • Der Beschreibung eines Entwicklungsstandes und bei wiederholter Vorstellung des Entwicklungsverlaufes für Kinder und Jugendliche ab dem Kindergartenalter.
  • • Der Aufklärung und Beratung der Bezugspersonen über die bestehenden Probleme, aber auch, wie eine Förderung dieser Bereiche konkret aussehen kann.
  • • Der Empfehlung bzw. Abstimmung von therapeutischen und pädagogischen Fördermaßnahmen
  • • Der Beratung und Entscheidungshilfen bei der Schulwahl.
  • • Der Zusammenarbeit mit Erzieherinnen und Lehrern, Jugendämtern, Therapeuten, niedergelassenen Ärzten, Frühförderstellen etc.

Das Anliegen einer Entwicklungsdiagnostik ist es, normale Entwicklungsverläufe, aber auch Entwicklungsauffälligkeiten beurteilen zu können, Auffälligkeiten möglichst früh zu erkennen und ihnen durch eine gezielte Therapie entgegen zu wirken.
Das übergeordnete Ziel der Entwicklungsdiagnostik ist es bestehende psychische, emotionale und Entwicklungsprobleme einordnen und mit den Kompetenzen in Zusammenhang bringen.
Schon bei einer Diagnostik die bereits vorhandene Kompetenzen und Ressourcen eines Kindes mit einzubezieht, ist wesentlich für den Erfolg der Entwicklungsbegleitung und einer Therapie.
Besonders die Entwicklungsbegleitung benötigt gezieltes Wissen über die individuellen Voraussetzungen eines jeden einzelnen Kindes.

Entwicklungsdiagnostik im Therapiezentrum Dr.Ramacher-Faasen:

Zu Beginn der Entwicklungsbegleitung/- diagnostik steht ein ausführliches Beratungsgespräch mit den Bezugspersonen, einer umfangreichen Anamnese und einer Analyse der Ausgangslage.

Für gewöhnlich wird eine Entwicklungsdiagnostik defizitorientiert durchgeführt, sprich es werden meist nur die Entwicklungsauffälligkeiten, -verzögerungen, -störungen und -abweichungen (negativ) beschrieben und so wird eine Entwicklungsdiagnostik meist nur bei bestehenden (Verhaltens)-Auffälligkeiten angegangen.
Diese sogenannten defizitorientierten Ansätze rücken die Negativdiskrepanzen in den Fokus, das bedeutet Kinder werden nur nach ihrem Nichtkönnen betrachtet. Die bereits erlangten Kompetenzen werden häufig nicht betrachtet und können folglich nicht in die Förderung miteinbezogen werden. Bei uns soll jedoch diese Situation genutzt werden, um neben den häufig im Vordergrund stehenden Problemen, die vorhandenen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen herauszustellen.
Es ist uns besonders wichtig nicht nur die (übergreifenden) Entwicklungsbereiche, sondern auch die einzelnen Entwicklungskategorien genauer zu betrachten, um ein differenziertes Bild über den Entwicklungsstand des Kindes zu erhalten.
Insgesamt kann ein Kind beispielsweise im Bereich Sprache unterdurchschnittliche Ergebnisse erreichen, aber erst durch eine differenzierte Betrachtungsweise stellt sich genau heraus, welche sprachliche Kompetenzen (z.B. Lautebene, grammatikalische Ebene) einer Förderung bedürfen und welche Kompetenzen bereits vorliegen und als Ressource für den Ausbau der fehlenden Kompetenzen genutzt werden können. So können effektive individuelle Förderpläne verfasst werden.
Um die individuelle Entwicklung klar zu erfassen und ihr dann pädagogisch und therapeutisch gerecht werden zu können, brauchen wir zeitgemäße und kindgerechte Methoden und Materialien. Deshalb ist eine Art "Gradmesser" nötig, mit dem wir sinnvoll und zielgerichtet den Leistungs- und Entwicklungs-stand der Kinder erfahren, um daraus entsprechende Förderziele abzuleiten.
Zur Überprüfung des Entwicklungsstandes eines Kindes nutzen wir neben standardisierten Testverfahren,die Entwicklungsdiagnostik u.a. mit dem Kompetenzprofil Komprof Dr. Ramacher-Faasen (©) an.

Dieses pädagogisch-therapeutisches Verfahren kann durch eine Beobachtung und Beurteilung in konkret umrissene Kompetenzbereiche, die vorhandenen Ressourcen eines Kindes oder Jugendlichen aufdecken, die zur Bewältigung eines Entwicklungsschrittes oder eines Förderbereiches nötig oder zumindest von Vorteil sind.
So stellt das kompetenzorientierte Verfahren auch bei Kindern, die in vielen Bereiche Probleme haben und „auffällig“ sind, Bereiche heraus, in denen sie (möglicherweise) unterfordert sind und konkrete Forderung (statt Förderung) brauchen.
Das KomProf-Verfahren

Bei unserer Entwicklungsbegleitung und –beratung werden auch bestehenden Diagnosen und Befunde nachvollzogen (und ggf. überprüft).
Aufgrund dieser umfassenden Betrachtung der individuellen Ausgangslage, werden unter Einbezug der verschiedenen Ressourcen die Schwerpunkte einer Förderung herausgestellt und gemeinsam besprochen.
Zu der Entwicklungsbegleitung gehört zwingend der regelmäßige Einbezug und die regelmäßige Beratung und Aufklärung der Bezugspersonen darüber, welche Schritte gegangen werden und welche Hintergründe diese haben.
Zu entwicklungsdiagnostischen Fragestellungen im Vorschulalter (zwischen drei und sechs Jahren) und insbesondere zur Einschätzung der schulischen Vorläuferkompetenzen wird die Testbatterie des GETOMETA genutzt.
Der diagnostischen Einschätzung vorhandener Fähigkeiten und Kompetenzen bereits im Kindergartenalltag kommt somit eine immer größere Bedeutung zu, um gezielte Förder- und Forderkonzepte ableiten und dann auch sogenannte Risikokinder frühzeitig fördern zu können.
Dieses Verfahren konzentriert sich insbesondere auf die Feststellung des Entwicklungsstatus und die Beschreibung von Entwicklungsprofilen von Vorschulkindern.
Sie wird genutzt, um eine ressourcenorientierte Förderung abzuleiten, die bereichsübergreifend geschieht.
Außerdem werden die Prädiktoren für gute Schulleistungen und erfolgreiches, selbstgesteuertes Lernen, sowie zielgerichtete Fördermaßnahmen für das Kindergartenalter herausgestellt.
Folgende acht Entwicklungsbereiche sind Inhalt der Testbatterie GETOMETA:

  • • Motorik
  • • Wahrnehmung
  • • Auditive Wahrnehmung / Gedächtnisleistung
  • • Lautsprache
  • • Leseschriftsprach-Entwicklung
  • • Mathematische Entwicklung
  • • Theory Of Mind
  • • Metakognition

Mit dem GETOMETA liegt erstmals ein fundiertes, entwicklungsbegleitendes Instrument vor, das einen klaren Bezug zu den Bildungsplänen aufweist und mit dem es möglich ist, über die bisherigen Testverfahren hinaus, die verschiedenen wichtigen Entwicklungsbereiche im Kindergartenalter inklusive den Kompetenzen im Bereich Theory of Mind und Metakognition zu erfassen, darzustellen und sie insbesondere miteinander in Beziehung zu setzen um eine ressourcenorientierte Förderung zu gewährleisten.
Ebenso sollte die Testbatterie in der Lage sein, das Entwicklungsbild eines Kindes so differenziert zu beschreiben, dass individuelle Interventionen, sowohl zur Förderung als auch zur Forderung, abgeleitet werden können.
Bisher gibt es kein Verfahren, dass die Fähigkeiten der theoretischen Annahmen einer kindlichen Entwicklung thematisiert. Hier geht es besonders um die kindlichen Konzepte des Lernens, um Informationsverarbeitung, Schlüsselkompetenzen und Lernstrategien.