Stichwort Metakognition - Das Denken über das Denken


Eine allgemeine Definition von Metakognition ist die von Hasselhorn (2001, S. 466). Er definiert Metakognition als „Aktivitäten, die mit dem Wissen über die eigenen kognitiven Funktionen (z.B. Lernen, Gedächtnis, Verstehen, Denken) zu tun haben.”. Der Begriff Metakognition wird in der Forschungsliteratur immer wieder von verschiedenen Autoren unterschiedlich beschrieben und es werden immer wieder neue und andere Begrifflichakeiten verwendet. Einig sind sich allerdings alle darüber, dass sich Metakognition auf kognitive Prozesse bezieht, Metakognition ist die Kognition über Kognition (Denken über Denken). Metakognition beschreibt die Auseinandersetzung mit diesen kognitiven Fähigkeiten und Prozessen (Pramling-Samuelsson &Carlsson, 2003).

„Der Begriff der Metakognition spricht das Nachdenken über das eigene Denken an und betont die Bewusstheit von Lernprozessen, die notwendig ist, damit Lernen stattfinden kann. (…) Zu wissen, wie man lernt und sich etwas aneignet, kann als Schlüsselqualifikation und Grundvoraussetzung für Schulfähigkeit angesehen werden“ (Bründel & Hurrelmann, 2003, online).

Bis ca. zum 8. Lebensjahr entwickeln Kinder Konzepte über den Erwerb von Wissen über Phänomene ihrer Umwelt. Lernen als Wissen steht im Vordergrund dieser Entwicklungsphase. Ungefähr ab dem 8. Lebensjahr tritt das Konzept Lernen als Verstehen in den Vordergrund. Die Kinder haben die Bedeutung von etwas verstanden und können dieses Verstehen auch formulieren.     Moss & Strayer (1990) betonen, dass sich Metakognition nicht von selbst entwickelt und auch nicht direkt lehrbar ist, sondern Lernerfahrungen voraussetzt. Kinder brauchen gezielte Angebote. Studien zur Metakognition bei Vorschulkindern zeigen, dass interindividuelle Unterschiede stark von der Qualität der Interaktionen mit sozialen Bezugspersonen beeinflusst werden.

Hasselhorn (2010) macht deutlich, dass es nicht den Einflussweg der Metakognition für den Lernerfolg gibt. „Komponenten verschiedener Metkognitionskategorien können dafür verantwortlich sein, dass beim Bearbeiten einer Lernanforderung eine Reflexion über strategische Lernmöglichkeiten in Gang gesetzt wird“ (Hasselhorn, 2010, S. 543).

Häufig wird der Erwerb metakognitiver Fähigkeiten in die Schulzeit gelegt. Hasselhorn (2010) macht darauf aufmerksam, dass sich die metakognitive Entwicklung nicht einem einfachen Altersrater zuordnen lässt. „Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass sich mit zunehmendem Wissenserwerb auch die Funktionstüchtigkeit der Metakognition erhöht (…)

Metakognitive Prozesse beim Lernen

Bereits seit 1960 kann man de Bedeutung strategischer Aktivitäten für die Lernleistung  bei einfachen Gedächtnisanforderungen nachweisen. Hasselhorn (1996) nannte sechs häufig aufgeführte Merkmale von Strategien. Sie werden

  • absichtlich eingesetzt
  • bewusst eingesetzt
  • spontan eingesetzt
  • vom Lerner ausgewählt
  • vom Lerner kontrolliert
  • verbrauchen eine begrenzte Kapazität des Gedächtnisses

Die nachfolgende Abbildung zeigt, dass es beim Lernprozess immer um das Zusammenwirken der drei Kompetenzen Kognition, Metakognition und Motivation geht. Sie stellt eindeutig die übergeordnete Funktion der Metakognition dar (sh. Grafik auf Seite 14).

„Denkt ein Lerner vor der Aufgabe explizit darüber nach, wie er bei der Bearbeitung vorgehen sollte, oder was er bereits über den Inhaltsaspekt dieser Aufgabe weiß, so werden diese kognitiven Aktivitäten als „metakognitiv“ bezeichnet (Harms, 2007, S.128). In zahlreichen Ansätzen zum selbstgeregelten Lernen spielt das Konstrukt Metakognition eine tragende Rolle.

Metakognitive Lernstrategien haben die Funktion der Planung, Überwachung und Steuerung des eigenen Lernverhaltens. Diese Strategien werden als übergeordnet bezeichnet, denn sie steuern u.a. den Einsatz kognitiver Strategien. Man unterscheidet (sh. Tabelle S.12):

  1. Planungsstrategien/Planungsaktivitäten
  2. Überwachungsstrategien/Überwachungsaktivitäten
  3. Steuerungsstrategien (Regulieren, Evaluieren, Anpassen, Ergebnisprüfung)

Nach Lauth /Schlottke (2002) ist eine Metakognition dadurch gekennzeichnet, dass der Handelnde

  • sich gedanklich über den konkreten Handlungsverlauf stellt,
  • sich selbst gegenüber den Standpunkt eines „objektivierenden Dritten“ einnimmt sowie
  • sich quasi beim eigenen Handeln über die Schulter schaut.

Schüler mit Lernstörungen nutzen in der Regel Strategien der Informationsentnahme und –verarbeitung, der verbalen Handlungsregulation und der Handlungskontrolle nicht bzw. in nicht ausreichendem Maße (vgl. Lauth 1993). Dies stellt auch Büchel (2008, S. 13) folgendermaßen dar: „Das Problem des lernschwachen Schülers ist nicht die Aneignung von Strategien, sondern die Bewusstmachung der angeeigneten Strategien im richtigen Moment und das Bewusstsein, dass Strategien unentbehrlich sind. Lernschwache Schülerinnen und Schüler haben eher metakognitive Probleme.“