Evidenzbasierte Analyse der Grapho- und Schreibmotorik


Mit der technikunterstützten Überprüfung kann während der Benutzung durch den Patienten /Schüler eine schnelle Einstufung der Schreibfähigkeiten und der effizienten Messung der Gratomotoik getestet werden.

Ein Test mit dem SchreibPen umfasst vier schreibmotorische und fünf grundmotorische Aufgaben, bei denen mit dem Stift auf Papier geschrieben wird. Dabei werden Beschleunigungen, Drehbewegungen und der Druck auf die Schreibspitze gemessen und im Anschuss digital zu folgenden Parametern ausgewertet:

  • Dauer: Schreibdauer vom ersten Aufsetzen bis zum letzten Abheben des Stiftes, angegeben in Sekunden [s]. Sie gibt Information darüber, wie lange die Durchführung einer Testaufgabe gedauert hat und schließt auch die Schreibpausen mit ein. Eine erhöhte Anzahl von Schreibpausen deutet auf Probleme mit dem automatisierten Schreibprozess hin.
  • Schreibdruck: Die Kraft, mit dem der Stift auf die Schreibunterlage gedrückt wird, angegeben in Newton [N]. Ein niedriger Schreibdruck für einen Erwachsenen beträgt etwas weniger als 1 N. Ein erhöhter Schreibdruck ist ab 1,5 N angezeigt. Der Schreibdruck wird normalerweise beim Schreiben eines Satzes gemessen und nicht bei einfachen wiederholten Bewegungen (z.B. Kringel).
  • Schreibfrequenz: Die Anzahl der Auf- und Abstriche pro Sekunde, angegeben in Hertz [Hz]. Sie ist ein stabiles Maß für die motorische Schreibleistung. Routinierte Schreiber schreiben mit schnellen automatisierten Bewegungen und einer Frequenz von 4.5 bis 5 Hz. Dabei pendelt die Hand in der Horizontalen um das Handgelenk mit ihrer Eigenfrequenz, die durch die Masse von Hand und Stift sowie den Muskeltonus bestimmt wird.
  • Automationsgrad: Anzahl der Richtungsinversionen in der Geschwindigkeit pro Auf- und Abstrich (Number of Inversions in Velocity, NIV). Gelernte Bewegungen werden automatisiert ausgeführt, also vollständig vorausgeplant und dann nicht mehr bewusst gesteuert oder im Detail kontrolliert. Werden im optimalen Fall die Auf- oder Abstriche mit jeweils einer Bewegung ausgeführt, ergibt sich entsprechend ein Wert von NIV=1, bei nicht automatisierten Bewegungen ergeben sich Werte von NIV>2.
  • Schreibwinkel: Durchschnittlicher Winkel zwischen Stift und Blattebene. Als Schreibwinkel wird der mittlere Winkel zwischen dem Stift und der Blattebene, angegeben in Grad, bezeichnet. Der Stift sollte beim Schreiben nicht zu steil, aber auch nicht zu flach stehen. Günstig ist ein Schreibwinkel von etwa 50-60 Grad. Er gibt daher einen Hinweis auf eine ungünstige Fingerposition beim Schreiben.

Schlechte Handschrift?    Verkrampfte oder falsche Stifthaltung?       ....


Handschrift-Studie: „Kinder wissen oft nicht, wie Stifte zu halten sind“

Laut einer aktuellen Studie des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) haben Grundschüler immer größere Probleme mit dem Schreiben per Hand. Bundesweit stimmten demnach 89 Prozent der Befragten zu, dass sich im Primarbereich die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, sehr verschlechtert haben. In NRW waren es 90 Prozent. Unleserliche Schrift, langsames Schreibtempo, Schwierigkeiten bei bestimmten Buchstabenverbindungen oder Probleme, Texte gerade auf einer Linie zu schreiben, gehörten zu den besonders häufig genannten Beobachtungen.                                         


Schreibmotorik


Schreibmotorik betrifft die Aufgaben, in denen Sätze, Wörter oder Silben geschrieben wurden. Sie wird als Gesamtheit der Bewegungsabläufe, die für das Schreiben von Hand notwendig sind, definiert.


Graphomotorik


Die Graphomotorik betrifft die übrigen Aufgaben, in denen keine Buchstaben geschrieben wurden. Bei dieser werden die eher technischen motorischen Abläufe beschrieben, die notwendig sind, um zu schreiben, zu malen oder zu zeichnen.      


Förderempfehlung


Das Ziel der therapieintegrierten Förderung ist der Erwerb einer lesbaren, effizienten, flüssigen, ermüdungsarmen und individuellen Handschrift. Im Rahmen dessen spielen die Entwicklung eines gleichmäßigen Schreibrhythmus, einer hohen Schreibgeschwindigkeit und eines angemessenen niedrigen Schreibdrucks sowie der erforderliche Transfer auf das Schreiben von Buchstaben, Wörtern und ganzen Sätzen eine zentrale Rolle.